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Die Geschichte

Der Ursprung von Rohnstock
(Auszug aus der Chronik)

Im 12. und 13. Jahrhundert kamen auf Initiative von Heinrich I. deutsche Siedler aus Thüringen, Franken und Hessen nach Schlesien und trafen an der Wütenden Neisse auf die slavische Lehmhüttensiedlung Rostock, die erstmals im "Liber Fundationis" mit diesem Namen urkundlich erwähnt wird. Der Name ist dadurch entstanden, dass an dieser Stelle Bäume gefällt und (Wurzel-) Stöcke gerodet wurden. Althochdeutsch: rono, mittelhochdeutsch: rone = Baumstumpf, beim Roden stehen gebliebener Wurzelstock. Ahd., mhd. stoc = Baumstock, Gebirgsstock. 1305 wird der Name unseres Dorfes zum erstenmal im "Liber fundationis" als Rostock erwähnt mit folgender Beschreibung:

Item in Rostock XXVI mansi, scultetus habet tres, ecclesia duos. Percepi ab eis III1or marcas et 1 scotum. Alios mansos occupaverunt milites. Et in eadem villa sunt III1or allodia militum, de quibus non solvunt.

Übersetzung: Auch in Rohnstock gibt es 26 Häuser, von denen der Schultheis 3 und die Kirche 2 hat. Von ihnen habe ich 4 Mark und Skot bekommen. Andere Häuser sind von Rittern bewohnt. Und in diesem Dorfe gibt es 4 Vorwerke von den Rittern, von denen nichts bezahlt wurde.

Das Amtssiegel von Rohnstock (=Rode-Stock) zeigte einen Baumstumpf mit einer Axt.

Der Ort Ober-Rohnstock erhielt seinen Namen erst 1890, als die Bahnlinie Jauer-Rohnstock gebaut wurde. Bis dahin hieß der Ort Weidenpetersdorf. Das Amtssiegel von Weidenpetersdorf zeigte einen Weidenbaum.

15.4.1380: Am Sonntag Jubilate: Herzogin Agnes, die Witwe Bolko II., gewährt Rohnstock das Recht den Salzmarkt auszuüben.

1411: Als Grundherr von Rohnstock wird Nikol von Ronau genannt.

2.1.1497: Conrad I. von Hoberg kauft den Besitz Rohnstock von den Brüdern von Reibnitz.

1500: Eine Glocke für die katholischen Kirche wird gegossen und in den Turm gehängt. (Nachdem sie im 2. Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben werden mußte, steht sie heute im Dom zu Münster in Westfalen ).

22.3.1507: Conrad I. von Hoberg und sein Sohn Christoph beteiligen sich unter Herzog Friedrich II. von Liegnitz und Brieg an einer Pilgerfahrt ins heilige Land nach Jerusalem

1523: Reformation: Die Kirche wird evangelisch. Patron ist Georg von Hohberg auf Rohnstock

1636: In Rohnstock wird Justina Dittrich geboren, Tochter des Pfarrers Dittrich, die um die Geburtskunde hochverdiente Churbrandenburgische Hofwehemutter. Ihr Vater Pfarrer Elias Dittrich muß vor den Wirren des 30-jährigen Krieges fliehen.

15.1.1654: Die Kirche wird den Evangelischen weggenommen. Die Evangelischen halten sich nun zur Friedenskirche in Jauer.

1667: Erste Beschreibung des Rohnstocker Schlosses in: "Der wiederlebendige Phoenix der beiden Fürstentümer Schweidnitz und Jauer" von Ephraim Ignatio Nasone, Breslau 1667: Es gibt hier zwei unterschiedliche Wohnungen, die gemeinsam durch einen tiefen Wallgraben umschlossen sind. Die eine gehört dem Hochwohlgeborenen Herrn Christoph, Freiherr von Hohberg, die andere Herrn Conrad, Freiherr von Hohberg, welche Brüder sind.

3.5.1706: Erbhuldigung in der jetzt wieder katholischen Kirche

1717: Im Jahre 1717 hat die Stadt (Bolkenhain ) auf Verlangen des Grafen Hanns Heinrich III. von Hochberg auf Rohnstock, die Obergerichte und hohe Blutbann (die Obergerichtsbarkeit) über die Güter Rohnstock und Weidenpetersdorf (Ober-Rohnstock) von der Stadt Bolkenhain für 200 Floren rheinisch verkauft.

1720: Erster Umbau des Schlosses unter Hans Heinrich III. Reichsgraf von Hochberg.

12.12.1741: Den Evangelischen wird wieder erlaubt Gottesdienst zu halten.

24.12.1741: (4. Advent) Erster evangelischer Gottesdienst durch Diakon Simonstrat aus Jauer in dem neuerbauten herrschaftlichen Reit- und Wagenhaus im Schloßhof.

3.5.1742: Einsetzung des 1. evangelischen Predigers George Petzold

3.6.1745: Am Vorabend der Schlacht von Hohenfriedeberg sind als Gäste im Schloß: Der Höchstkommandierende des österreichischen Heeres Prinz Karl von Lothringen und Herzog von Weißenfels.

4.6.1745: Die Schlacht bei Hohenfriedeberg. Am Abend ist als Gast im Schloß: Friedrich II., der Große.

5.6.1745: General Chasot präsentiert König Friedrich d. Großen 66 von den Österreichern erbeutete Fahnen auf dem Ehrenhof vor dem Schloß.

24.12.1747: Einweihung des Bethauses (4. Advent) "Zum Kripplein Christi". Der Bau war massiv und mit "Flachwerk" gedeckt. Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet. Kirchenvermögen: 800 Thaler durch die Gutsherrschaft begründet.

4. Advent 1754: Rohnstocks 14. Kirchenfest mit Pfarrer George Petzold aus Anlaß des 100-jährigen Gedenkens der Wegnahme der Kirche.

1754: Friedrich Bernhard Werner fertigt u.a. 2 hervorragende Federzeichnungen vom Schloß und Kirchenbezirk an.

1.1.1812: An Neujahr 1812 wurde der Klingelbeutel abgeschafft, dafür waren Einlagen in die Gotteskästen vorgesehen, wodurch die Kirche große Einbußen an ihren Einnahmen erlitt.

19.10.1817: Anläßlich der 300-Jahr-Feier der Reformation erhält evangelische Gemeinde durch Schenkungsurkunde des Grafen von Hochberg den herrschaftlichen Jägergarten als Friedhof.

1818: Anfang des Jahres 1818 erfolgte die Teilung größerer Landkreise in Schlesien. Dabei wurde auch der bis dahin vereinigte Bolkenhain - Landeshuter Kreis in zwei selbständige Kreise aufgelöst.

1820: Anschaffung und Weihe von zwei Glocken für das Bethaus, die von Hans Melchior Julius von Schweinitz auf Kauder gestiftet wurden. - Das Bethaus hatte von 1747 bis 1820 keine Glocken. Geläutet wurde bis 1820 mit den Glocken der gegenüberliegenden katholischen Kirche, gegen Entgelt.

1870: Unter Hans Heinrich XIV. Bolko Reichsgraf von Hochberg wird das Rohnstocker Schloß noch einmal umgebaut.

1873: Baubeginn der neuen evangelischen Kirche.

1875: Kaisermanöver bei Rohnstock. Während des Kaisermanövers war Schloß Rohnstock Hauptquartier von Kaiser Wilhelm I.

1878: Einweihung der neuen evangelischen Kirche "Zum Kripplein Christi"

Juni 1883: Hochwasser der Wütenden Neisse überschwemmt unter anderem Rohnstock

10.10.1886: Graf Bolko von Hochberg zu Rohnstock wird zum einstweiligen Intendanten der Königlichen Schauspiele in Berlin berufen.

1889: Der erste Bahnhof Rohnstock wird zwischen Weidenpetersdorf und Hausdorf gebaut. Ab jetzt heißt Weidenpetersdorf Ober-Rohnstock.

1890: Die Bahnlinie Striegau - Bolkenhain wird eingleisig gebaut.

16.-19.9.1890: Im Kreis Jauer wird ein Kaisermanöver durchgeführt. Kaiser Wilhelm II. (1888-1915), Sohn von Friedrich III., ist dabei Gast im Schloß Rohnstock beim Reichsgrafen Bolko von Hochberg. Ebenfalls zu Gast im Schloß ist in diesem Jahre Kaiser Franz Josef I. von Österreich. König Albert von Sachsen, welcher sein Quartier in Börnchen hatte, kam zu den Abendtafeln ins Schloß.

20.10.1891: In Rohnstock bricht die Tollwut aus.

Juli 1897: Hochwasser der Wütenden Neisse.

1898: Hochwasser der Wütenden Neisse. Das Wehr in Rohnstock wird weggerissen.

1902: Das Postgebäude wird gebaut

7.5.1903: Durch ein gewaltiges Hochwasser der Wütenden Neisse wird die große steinerne Brücke in Ober-Rohnstock beschädigt. Am Abend wird der Graf mit einer Kutsche vom Bahnhof abgeholt. Nachdem er in schneller Fahrt die Brücke passiert hat, stürzt diese mit lautem Gepolter ein. Die Aufräumungsarbeiten beginnen am nächsten Tag.

3.5.1905: Der katholische Pfarrer, Herr Josef Göbel, wird in sein Amt eingeführt.

10.10.1905: Herr Tinius verkauft seinen Gasthof, den Gerichtskretscham in Rohnstock, an Herrn Gustav Abend aus Conradswaldau.

1907: Wieder überschwemmt ein großes Hochwasser der Wütenden Neisse Rohnstock.

1910: Am 6. Juni wird zur Erinnerung an die Schlacht von Hohenfriedeberg ein Denkmal eingeweiht, und zwar mitten auf dem Schlachtfelde in der Guhle bei Günthersdorf.

1912: Anläßlich einer Hochzeit bricht im kleinen Turm der evangelischen Kirche Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden kann.

1912: Die Nebenbahnlinien Jauer - Rohnstock und Striegau - Rohnstock - Bolkenhain - Merzdorf werden zur Vollbahn ausgebaut. Rohnstock wird Umsteigebahnhof und erhält (nach nur 23 Jahren) einen neuen und größeren Bahnhof mit 4 Gleisen und zwei Unterführungen. Das alte Bahngebäude wird abgerissen. Die Strecke bleibt aber eingleisig. Das Gelände für das zweite Gleis wird gekauft und vorbereitet. Das 2. Gleis wird jedoch nie gebaut. (Im Jahre 1995 wird der Zugverkehr von den Polen ganz eingestellt. Der Bahnhof verfällt zur Ruine)

1913: In den Jahren zwischen 1905 und 1913 bekommt die katholische Kirche eine neue Glocke mit dem Ton fis (674 kg) und die evangelische Kirche eine Glocke c" (267 kg)

12.4.1913: Der erste Probeeilzug durchfährt mit 80 km/h die Strecke Striegau - Merzdorf über Rohnstock - Bolkenhain.

15.6.1914: Am 15.6.1914 wird auf den bisherigen Nebenbahnstrecken Striegau/Jauer - Rohnstock - Merzdorf der Hauptbahnbetrieb aufgenommen.

20.7.1914: Seit heute hat Rohnstock elektrisches Licht.

1914: Im Schloß wird vom Reichsgrafen Hochberg ein Lazarett eingerichtet. Um in dieser eisernen Zeit auch schon in der Jugend die Pflicht zur Opferwilligkeit und Hingabe in den Dienst fürs Vaterland zu wecken, werden Jungwehren im Kreise Bolkenhain ins Leben gerufen, die ihre Aufgabe in der militärischen Vorbereitung der männlichen Jugend vom 16. bis 20. Lebensjahre erblicken. Solche Jungwehren werden in Alt Reichenau, Baumgarten, Bolkenhain, Hohenfriedeberg, Rohnstock und Wernersdorf gegründet.

18.2.1915: Die Glocken beider Kirchen verkünden die Siegesnachricht unserer Ostarmee. Der Ort hat reichen Flaggenschmuck angelegt. In beiden Schulen fällt der Unterricht aus.

1.10.1916: Das 1914 im Schloß unter Leitung von Dr. med. Rosenberger eingerichtete Lazarett wird aufgelöst, nachdem 1400 Heeresangehörige dort betreut worden waren.

1917: Der Kriegsmetallstelle wurden neben den Prospektpfeifen sämtlicher Kirchenorgeln des Kreises 39 Glocken mit 14 000 kg Metallgewicht aus folgenden Gemeinden abgeliefert: ... evangelische Kirche Rohnstock 3, katholische Kirche 1, Graf Hochberg [Schloßturm] 1

31.10.1917: Zum 400. Jahrestag der Reformation findet in der evangelischen Kirche in Rohnstock eine "schöne und würdige" Feier statt. Vom Schloß Rohnstock erfolgt ein gemeinsamer Kirchgang, vom Schloßturm hörte man die Posaunenbläser.

25.8.1923: Als Ersatz für die 1915 zwangsweise abgegebenen Glocken wird an diesem Tage eine neue Kirchenglocke in feierlichem Zuge vom Bahnhof zur Kirche gefahren.

26.8.1923: In der evangelischen Kirche in Rohnstock findet ein Festgottesdienst anläßlich der Glockenweihe statt. Nach dem Festgottesdienst wird vor dem Schloß eine Festtafel aufgestellt, an der es Kaffee und Kuchen gibt.

1.6.1924: In einer "wundervollen" patriotischen Feier erfolgte die Einweihung des Kriegerdenkmals in Rohnstock, Militärmusik, großer Kirchgang. Es spricht Graf Bolko von Hochberg. Nach der Weihe Frühschoppen in Hilberts Garten, nachmittags Gartenkonzert.

3.7.1926: Gestern abend führte die wütende Neiße nach wolkenbruchartigen Regen Hochwasser, das sich derart steigerte, daß nach 11 Uhr nachts die Bewohnerschaft alarmiert wurde. Im Oberdorf (Ober-Rohnstock) reichten die Wassermassen bis an die Parkmauer, auch im Niederdorf (Rohnstock) war die Chaussee sowie die Dorfstraße überflutet. Das Wasser drang in Gehöfte und Häuser, sodaß die Bewohner genötigt waren, das Vieh aus den Ställen zu bringen.

1.12.1926: Im Alter von 83 Jahren verstirbt Reichsgraf Bolko von Hochberg, der frühere Generalintendant der Königlichen Schauspiele in Berlin, in Bad Salzbrunn.

4.12.1926: Feierliche Beisetzung von Reichsgraf Bolko von Hochberg in Rohnstock. Viele Fürstlichkeiten anwesend, u. a. Prinz August von Hohenzollern.

2.3.1927: Auf dem Dominium ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

1928: Im Winter 1928/1929 ist es so kalt, daß die Kirschenallee an der Striegauer Straße erfriert, später werden hier Apfelbäume gepflanzt. Auch die Hecken und die Sternlaube im Schloßpark erfrieren. Am 24.12.1928 herrscht ein entsetzlicher Orkan mit Schneesturm. Am 10.2.1929 werden in Bolkenhain -37 C gemessen.

7.10.1928: Die evangelische Kirchengemeinde feiert am 7.10.1928 das 50-jährige Jubiläum ihrer Kirche "Zum Kripplein Christi"; gleichzeitig wird die neue große, dem Gedenken der im 1.Weltkrieg Gefallenen gewidmete Glocke geweiht.

17.5.1929: Durch den strengen Winter sind zahlreiche Nadelhölzer und Ziersträucher erfroren. Weit und breit ist kein blühender Obstbaum zu sehen. Die meisten Kirschbäume an der Striegauer Straße sind erfroren.

27.4.1930: In Rohnstock begeht Herr Superintendent Sieber sein 25-jähriges Ortsjubiläum.

28.10.1930: Die Wütende Neise führt nach den Unwettern der vergangenen Tage Hochwasser. Ein großer Teil der Gemeinde steht unter Wasser. Die Häuser der Kleinen Seite können nur auf Umwegen erreicht werden.

4.12.1930: Nachdem das sogenannte Haberlandhaus hier, Herrn Gutsbesitzer Walter gehörig, abgebrochen worden ist, ist mit ihm auch das letzte mit Stroh gedeckte Gebäude aus der Gemeinde verschwunden.

1.10.1932: Auflösung des Kreises Bolkenhain und Wiedervereinigung mit dem Kreis Landeshut. Rohnstock gehört nun zum Kreis Landeshut.

1.10.1933: Die am 15.7. beschlossene Neugliederung der Landkreise tritt in Kraft. Rohnstock gehört nun zum neuen Landkreis Jauer.

27.6.1935: Seit 1795 der heißeste Tag mit 38C im Schatten, dem am 28.6. ein großes Unwetter folgt.

13.2.1945: Am 13. Februar stoßen die Russen von Häslicht kommend nach Bohrauseifersdorf vor und standen somit unmittelbar vor Rohnstock. Alle Rohnstocker müssen am 13.2. den Ort verlassen.

11.5.1945: Ein Teil der Rohnstocker kommt zurück ins Dorf, nachdem sie in Altreichenau von der russischen Front überrollt worden sind.

1945: Nach Kriegsende: Ab 22.7.1945 hält Pastor Roye aus Alt Röhrsdorf alle 14 Tage Gottesdienst. Er leitet und dirigiert den Kirchenchor. Da die katholische Kirche durch Bomben zerstört ist, ist Gottesdienst in der evangelischen Kirche.

26.7.1946: Ein Teil der Rohnstocker muß nun den Ort endgültig verlassen.

Aus dem Jahre 1940 gibt es einen Schmalfilm in Schwarz/Weiß, gedreht von Hans Puschmann, von dem ich hier einen kleinen Ausschnitt wiedergeben darf. Mit freundlicher Genehmigung von Ingrid Bunzel geb. Puschmann.

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Stand: 5.4.2011